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Motivationstraining für Best Agers

"Ei Guhde wie": Rodgau Monotones sorgen bei Benefizkonzert des Lions Clubs für Stimmung im Bürgerhau



Region Hanau (ju). Es gibt Bands, bei denen sich die Treue der Fans am Echo der wiedergegebenen Texte messen lässt. Die Rodgau Monotones sind eine solche Band. Bei ihrem Auftritt im Bruchköbeler Bürgerhaus war kaum einer unter den Zuhörern, der nicht mindestens einen der Songs mitzusingen wusste. Die 450 Besucher waren schon nach kürzester Zeit aus dem Häuschen und schwenkten kleine Hessen- Fähnchen als Reminiszenz an die Drohung: "Erbarme, die Hesse komme".
Dass die Rodgauer überhaupt nach Bruchköbel ins Bürgerhaus kamen, hatten die Gäste dem Lions Club Bruchköbel zu verdanken. Der hatte mit der Ausrichtung seines Benefizkonzerts die Unterstützung des Hanauer Albert-Schweitzer-Kinderdorfs im Sinn gehabt, wie Präsident Thomas Appell vor dem Auftritt der "Rodgaus" kurz bekannt gab. Als Vorgruppe hatte die Band "Spled" für Stimmung gesorgt.
Dann drehen die Hessen aus dem Rodgau richtig auf. Seit über 30 Jahren gibt es die Band schon, die seit ihrer Gründung im Jahr 1978 langjährige Impulsgeber und Weggefährten wie Henni Nachtsheim oder Achim Farr einbüßte. Doch die meisten der Gründungsmitglieder um Sänger Peter Osterwold sind noch mit im Boot. Entsprechend groß ist das Familiengefühl, das die Fangemeinde den Musikern immer wieder nachreisen lässt. Kein Wunder, schließlich hat die Band reichlich gute Ratschläge in punkto Lebenshilfe auf Lager. "Immer wenn du glaubst, es geht nimmer e bissi was geht immer" ist einer davon. Und die Zuhörer, überwiegend zwischen 50 und 60 Jahre alt, haben sich die Sätze zu eigen gemacht und schmettern sie auch an diesem Abend lauthals in den Saal.
So erschallt auch das "Ei Guhde wie" aus dem "Samstag-Morgen-in-der-Innenstadt"- Lied aus vielen Kehlen. Dass man sich an diesem Tag zu benehmen hat, darauf hatte Osterwold gleich zu Beginn hingewiesen. Seinen Rat: "Wir müssen heute ein bisschen zivilisierter sein, das ist ja schließlich ein Lions-Konzert" nehmen sich die Gäste zu Herzen.
Die lassen sich nicht nur durch die Späße der Musiker unterhalten - "wir haben letzhin die Deutsche Bank bespaßt, daraufhin haben sich die Jungs gleich ne Gehaltserhöhung von 50 Prozent genehmigt" - sie hören auch auf die Kommandos und folgen artig. Ein kleines "La-Ola-Training" wird umgesetzt, selbst den Schunkelbefehlen von Sängerin Kerstin Pfau widersetzt sich niemand. "Wir widmen dieses Lied Hanau 93", heißt es, bevor "Ein Leben für den Lärm" erklingt. Ob die Rodgauer damit auf den jüngsten 3:0-Sieg von Hessens ältestem Fußballverein gegen den SV Kilianstädten anspielen, der die 93er jetzt ins Viertelfinale des Hanauer Kreispokals brachte, blieb offen.
Seinen großen Auftritt hat Gitarrist "Joky" Becker bei den verrockten Versionen der Lieder vom "Zigeunerjungen" oder "Es wird Nacht Senorita", Letzteres stammt aus der Feder von Udo Jürgens. Becker unterlegt die Schnulzen mit wummernden Gitarrenbässen. Dann kommen wieder die Rodgau-Songs, für die Fans ihre Band so lieben. "Fraach misch net, wie's mir geht" oder "Mein Freund Harvey" gehören dazu. Jetzt drehen am Saxofon Matthias Dörsam und am Schlagzeug Jürgen Böttcher so richtig auf. Albrecht Neander und Raimund Salg lassen die Gitarren weinen. "Wo hat denn der Babba die Flasch'?" fragt die Band. "De Babba hat de Grabba in de Tasch", antwortet das Publikum.
Als die Menge unter einem Meer von Hessen- Fähnchen brodelt, bekennt Osterwold, er fühle sich wie in einer "Nacht der Prolls". Den Begriff habe er geprägt, die Briten hätten ihn sich einverleibt und eine "Night of the Proms" daraus gemacht. Die Fähnchen sind an diesem Abend das, was früher einmal die Feuerzeuge waren. Auch Handys werden zigfach in die Höhe gereckt. Fotos und Filmchen von Bandauftritten scheinen sehr beliebt zu sein. Auch "Selfies" fehlen nicht in der Sammlung. "De Babba" mit den drei Kindern vor der Bühne, auf der die "Rodgaus" gerade ihr Motivationstraining für Best-Agers nach dem Vorbild des Kiesertrainings präsentieren wird die Zierde schlechthin im Familienalbum werden.
Zum Bedauern des Publikums ist das Konzert schon vor halb elf beendet. Wie Thomas Appel am Rande der Veranstaltung erklärt, hatte der Lions Club das Bürgerhaus nicht länger mieten können. Die Besucher sind in jedem Fall auf ihre Kosten gekommen. Für den Lions Club könnte die Rechnung gerade so aufgehen. Die eingenommenen Eintrittsgelder reichen voraussichtlich, um die Unkosten zu decken. Dafür, dass das ASK-Kinderdorf seine Spende erhält, werden Sponsoren sorgen.

Hanauer Anzeiger vom 24.03.2014