Presseartikel


Typisierungsaufruf findet überwältigendes Echo

Rund 2300 Menschen lassen sich bei der Feuerwehr in Bruchköbel eine Blutprobe entnehmen - Hervorrage



Bruchköbel. Ein emotionaler Tag mit einer perfekten Organisation ging mit einem überwältigenden Ergebnis zu Ende. 2300 Menschen haben sich bei der Feuerwehr Bruchköbel am Samstag typisieren lassen. Damit geben sie Nino Balzer und allen anderen, die an Leukämie erkrankt sind, Hoffnung, einen geeigneten Spender zu finden.
230 freiwillige Helfer waren am Start, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Und es lief perfekt. Größtes Lob kam von allen Besuchern: "Wir haben in der Warteschlange gestanden, Aber es war ohne Worte, dass wir bereits nach zehn Minuten mit allem fertig waren." Der ständige Shuttle-Service von Feuerwehr, DRK und THW brachte den stetigen Strom der Spendewilligen von den Ausweichparkplätzen zur Feuerwehr, bestens betreut von Matthias Schmidt als Koordinator. Aber auch dort waren die Hilfskräfte den ganzen Tag draußen, um die Autos einzuweisen und Auskünfte zu geben.
Im Feuerwehrgerätehaus wurden dann die Personalien aufgenommen und die Blutspenderröhrchen ausgegeben. An der Mittelkontrolle wurde nochmals die Vollständigkeit überprüft. Hier konnten auch Geldspenden abgegeben werden. Es war fantastisch zuzusehen, wie der Berg von Geldscheine darin immer höher wurde. Von hier aus ging es dann zu den 24 Abnahmeplätzen. Sicherlich der unangenehmste Teil des Ablaufs, und einige Gesichter waren hier nicht wirklich entspannt Aber auch hier die einhellige Meinung: Man kann Angst haben vor der Nadel und dem Piks. Aber was sind schon fünf Milliliter Blut gegen die Chance, ein potenzieller Lebensretter zu werden. Helfen zu können, hier für Nino oder die vielen anderen. An der Endkontrolle wurde dann das Blutröhrchen abgegeben und damit auf den Weg ins das Labor gebracht Da Blutabnehmen hungrig und durstig macht, konnten sich die tapferen Spender im großen Versorgungszelt stärken. Gespendet worden waren von Firmen und Privatleuten 800 Brötchen, 16 Kilogramm Fleisch, zehn Kilo Käse, acht Leberkäse, 300 Würstchen und über 200 selbst gebackene Kuchen. Auch hier im Einsatz unendlich viele Helfer, die Brötchen schmierten, Kaffee kochten und Kuchen schnitten. Selbstgekochte Marmelade wurde verkauft oder Lebkuchenherzen mit der Aufschrift "Helft Nino".
Die private Star-Wars-Gruppe, die oft mit der DKMS zusammenarbeitet, war ehrenamtlich den ganzen Tag da und sorgte immer wieder für Erstaunen und Bewunderung und dies nicht nur bei den Kleinen. Und über 2000 Euro an Spenden hatten sie zusätzlich noch im Gepäck. Für die Kids war vom Roten Kreuz extra ein Zimmer eingerichtet worden, in dem sie geschminkt wurden oder basteln konnten. Die Initiatoren der Aktion, Mario Wegmann, Benjamin Thoran und die vielen anderen, die pausenlos für die Hintergrundarbeit sorgten, konnten zufrieden sein.
Der Aufruf in Presse (der HA berichtete mehrfach), Fernsehen und Radio ließ die Menschen von weither nach Bruchköbel reisen. Nicht zu vergessen die vielen Plakate und Flyer, die von fleißigen Händen aufgehängt und verteilt worden waren. Der Schirmherr der Aktion, Bürgermeister Günter Maibach, der den ganzen Tag vor Ort war, stellte die Rathausdruckerei dafür zur Verfügung. Verteilt wurden 48000 Flyer und 13000 Plakate. Aber auch über Facebook war die Nachricht verbreitet worden.
Die weitesten Anreisen erfolgten von Hamburg, Stuttgart und Kassel. Feuerwehren aus dem ganzen Umkreis waren da, die Polizei kam in ihrer Pause vorbei und die Berufsfeuerwehr aus Frankfurt war gleich mit 20 Mann zum Typisieren vor Ort.
Und dann kamen die unzähligen Geldspenden an diesem Tag, Dr. Peter Tauber, Mitglied der Bundestages, kam mit der nominierten Bundestagskandidatin Dr. Katja Leikert und dem Landtagsabgeordneten Hugo Klein vom Parteitag der CDU vorbei und überbrachte einen Briefumschlag: "Wir haben spontan bei den Teilnehmern des Parteitags gesammelt. 1000 Euro können wir übergeben. Ganz toll, dass die CDU-Mitglieder sich auf diese Weise solidarisch gezeigt haben." Und Klein ergänzte: "Es war uns eine Herzensangelegenheit" Auch Landrat Erich Pipa wünschte der Aktion persönlich viel Erfolg.
Viele Vereine, der Lionsclub Bruchköbel und Privatfirmen kamen mit großen Schecks, Die F2 Junioren der JSG Issigheim überbrachte ihre Mannschaftskasse. Ein Jahr haben die Fußballknirpse im Alter von sechs bis sieben Jahren Brezeln verkauft und 256 Euro angespart, und nun beschlossen dies für die Aktion Nino zu spenden. Auch ein Privatmann, der nicht genannt werden möchte, hatte sich an dem Tag spontan entschlossen, 1000 Euro zu überweisen: "Ich bin leider schon über 55 Jahre alt und darf nicht mehr zur Typisierung. Aber die Aktion finanziell überstützen kann ich."
Groß gefeiert wurde die 1000 Spenderin, Melanie Neumann. Und als eine Stunde vor Schluss mit Thomas Hanke der 2000. Spender typisiert war, tobte der Saal. "Alles hat sich gelohnt. Ich habe heute über 1000-mal Blut abgenommen, bin schon kaputt, aber glücklich", so ein Blutabnehmer. Auch die DKMS ist voll des Lobes für den Ablauf des Tages: "Jeder hat da geholfen, wo er es am besten konnte."
Und was sagt Nino am Abend zu dem Tag, über den er den ganzen Tag per Handy und Facebook auf dem Laufenden gehalten wurde? "Ich bin Überwältigt Ich finde keine Worte, um ein angemessenes Danke zu sagen. Die Organisation der Feuerwehr und allen Helfern ist so gut und reibungslos gelaufen. Es hat alle meine Erwartungen übertroffen. Ich war so überrascht, wer alles da war und unendlich berührt." Und seine Mutter Britta kann sich wie den ganzen Tag schon nicht der Tränen wehren: "Ich bin überwältigt. Ich war heute in der Feuerwehr und wollte mich bei den Helfern bedanken. Ich konnte es nicht, da mein ganzer Körper gezittert hat. Ich habe keine Worte gefunden, obwohl ich so viele im Herzen hatte. Man hat den Schmerz um das eigene Kind ständig vor Augen. Aber es ist so tröstlich zu wissen, welche Freundschaft und Hilfsbereitschaft einem widerfährt. Ich hatte den Eindruck, Bruchköbel ist zusammen gewachsen. Jeder einzelne ist wichtig und zählt Danke an alle, an alle Helfer," Und Nino ist bewegt: "Danke allen Freunden, die da waren, die tapfer ausgehalten haben, Sie geben mir alle Kraft. Ich fühle eine Dankbarkeit, die nicht in Worte zu fassen ist"

Hanauer Anzeiger vom 26.11.2012