Presseartikel


Mit Swing und Pop in den April

Big Band der Bundeswehr begeistert im CPH — Insgesamt 12 000 Euro für Lions-Club-Projekte



Hanau - Viel Swing, massig Applaus und ein paar schöne tausend Euros für einen guten Zweck: Bilanz eines großartigen Benefizkonzerts der Bundeswehr-Big-Band im Congress Park Hanau (CPH). Die rund 500 Gäste zahlten ihren Eintritt zugunsten des Lions Club Bruchköbel, der als Veranstalter wiederum den Rein-erlös an drei karitative Ein-richtungen der Region spendete.
Jeweils 3500 Euro gingen so an die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer mit ihrer Niederlassung im Hanauer Pedro-Jung-Park und die Essensbank Issigheim, eine Einrichtung der evangelischen Kirche im Bruchköbler Stadtteil. 5000 Euro erhielt das Projekt „Schlaganfall-Lotsen“ der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, das seit Januar dieses Jahres auch an der Stroke-Unit, des Hanauer Klinikums Schlaganfallpatienten unter-stützt und betreut.
Die Big Band spielte ohne Gage, lediglich der Tourbus und die großen LKW der Truppe, bestehend aus rund 22 Musikern, zehn Technikern und muskelbepackten Roadies für die vielen Tonnen an Equipment, wollen bei solchen Anlässen vergütet sein. Auch der HANAUER ANZEIGER unterstützte als Medienpartner die Veranstaltung, ebenso wie zahlreiche Sponsoren.
Denkt man nun, eine solche Band spult bei derartigen Veranstaltungen einfach nur routiniert ihr Programm ab, so irrt man. Mit ganz viel Leidenschaft inszenierten die musikalischen Bürger in Uniform mit ihrem humorvollen Bandleader Timor Oliver Chadik ihre Show. Unterstützt auch von zwei Kamera-Profis, welche einzelne Musiker oder auch ganze Szenen quasi als Bild im Bühnenbild auf die Leinwand zauberten.
Swing liegt den Bläsern und Schlagwerkern der Big Band ohnehin im Blut, Pop können sie aber auch. Und wie! Das bewiesen nicht zuletzt die bei-den E-Gitarristen Martin Hanisch und Roland Büttgen, die beim Henry-Mancini-Medley den rockigen Solo-Part über-nahmen und Klänge aus ihren Verstärkern jagten, die auch weiland Jimi Hendrix gut zu Ohren gestanden hätten. Mancini komponierte aber ebenso sanfte Weisen, etwa das „Moon river“ aus seiner Musik zum Film „Frühstück bei Tiffany", oder die unverkennbare Titelmelodie des „Pink Panther". Sie gehörten ebenso zum brillanten Medley wie etwa „Peter Gunn" oder „Charade". Von Tiffany war es kein weiter Schritt ins „Moulin Rouge" und zu einem Potpourri der lasziven Art, das die Vokalisten der Big Band so richtig glänzen ließ: Jemma Endersby, Susan Albers und Marco Matias. Jazz und Swing in Perfektion, mit einer unwiderstehlichen Albers alias Marylin Monroe in „Diamonds are a girl's best friend“.
Welchen Unterschied ein Tag machen kann („What a difference a day makes“), und wie zwei Sombreros den Charakter der Musik wandeln und plötzlich südamerikanisches Flair glitzern lassen können, das zeigte vor der Pause das „Mexiko-Medley" mit Rumba, Salsa und Akkordeon.
Kaum zurück auf der Bühne, sprühte die Big Band auch schon wieder. „Too good too bad“ hieß der Song aus „Cowboy Bebop". Und war der Opener für „Roger's Medley“, ein Tribut an den viel zu früh verstorbenen Jazz- und Popsänger Roger Cicero. „So geil Berlin“, „Schieß mich doch zum Mond“ oder „Zieh die Schuhe aus“ ließen Marco Matias mit seinen portugiesischen Wurzeln und seiner smarten Erscheinung ganz im Stile Ciceros glänzen. Die Damen am Mikrofon hatten ihren großen Auftritt dann bei „Natural woman“, dem großen Jackson-Five und Witney-Houston-Medley. „One moment in time“ erinnerte spektakulär an die ebenfalls sehr jung verstorbene Sängerin mit der Weltstimme. Und wenn man es so betrachten will, dann ist „My way“ auch eine Elegie auf die Großen und Guten. Frank Sinatra, Michael Jackson, Houston, Cicero, die Liste lässt sich leider beliebig fortsetzen: ihre Stimmen sind unvergessen. Für einen berauschenden Abend ließen die Vokalisten der Bundeswehr Big Band sie wieder sehr lebendig werden.
Unterstützt und getragen von einer Band, die ihren Namen völlig zu Recht trägt und dies in den weit über 40 Jahren ihres Bestehens unzählige Male eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. „Big" ist nicht nur die Zahl der Musiker, „Big" ist auch ihre Qualität. Sie können sich an internationalen Größen messen und repräsentieren diese Republik mit Pep, Charme und Würde. Klar, dass auch im CPH Zugaben frenetisch verlangt wurden. Und mit „Hallelujah“ des (ebenfalls verstorbenen) Altmeisters Leonard Cohen ging ein Benefizkonzert zu Ende, das Spuren hinterlassen hat.

Hanauer Anzeiger vom 04.04.2019