Presseartikel


"Die Krise ist nicht vorbei"

FDP-Europaabgeordneten Wolf Klinz bei der IHK



Hanau (cd/mkl). Über die Auswirkungen der Finanzkrise und die Neuausrichtung Europas referierte Wolf Klinz bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern. Im Rahmen eines Clubabends der Lions Clubs Hanau Brüder Grimm und Bruchköbel ordnete der FDP-Europaabgeordnete die momentane Situation ein und blickte in die Zukunft. IHK -Geschäftsführer sowie die Lions Club-Präsidenten Klaus Wacker (Hanau Brüder Grimm) und Dr. Martin Hohenstatt (Bruchköbel) begrüßten die zahlreichen Mitglieder und Gäste in den IHK-Räumen. Den Kontakt zu Klinz, seit 2004 Abgeordneter im Europäischen Parlament, hatte Hohenstatt geknüpft. Beide haben sich Mitte der 90er Jahre kennengelernt. Seinerzeit war Wolf Klinz zunächst Vorstand der Treuhandanstalt Berlin und später Vorstand in Industrieunternehmen des Anlagenbaus. Von 2000 bis 2004 war er ehrenamtlich Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt.
Zuvor war Klinz, studierter Wirtschaftswissenschaftler, in der Automobilindustrie als Sales-Manager und als Projektleiter bei der Unternehmensberatung McKinsey tätig. Der geborene Wiener berichtete den Zuhörern aus erster Hand. Schließlich ist er Vorsitzender des Sonderausschusses zur Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkrise und außerdem Mitglied im Ausschuss Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments. Dort ist Klinz für die FDP Mitglied der ALDE-Fraktion, der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa.
"Wir sind nicht im Jahr eins nach der Krise, sondern im Jahr vier in der Krise", machte der Politiker sogleich deutlich. Die Krise sei längst nicht vorbei und es könne keine Entwarnung gegeben werden. Detailliert schilderte Klinz die Entstehung und den Verlauf der globalen Finanzkrise. Schnell seien damals Notfallmaßnahmen eingeleitet worden, allerdings von Land zu Land unterschiedlich.
"Die Vorlagen haben uns in unheimlich schneller Geschwindigkeit erreicht", sagte Klinz. Wichtig sei es vor allem, nicht Lobby-Interessen zu erliegen. Wenn man das zentrale Versprechen der G20 zur Wirtschaftskrise analysiere, zeige sich im Vergleich zwischen Deutschland und der USA, dass es in 60 Prozent der Kriterien keine Übereinstimmung gäbe, so Klinz. "Auch künftig wird es daher Möglichkeiten der Regulierungsarbitrage geben", sagte er. Der einst geschlossene Stabilitätspakt sei offenbar ' nicht ausreichend gewesen, betonte Klinz mit Blick auf das "Wetterleuchten über Griechenland". Jenes sei nun bis nach Irland oder gar Spanien weitergezogen.
Die Situation bleibe angespannt, betonte er. Schließlich verhielten sich nur zwei Drittel der Staaten so, wie es in den Kriterien festgehalten sei.

Hanauer Anzeiger vom 19.11.2010